Call for Contributions: „Ontologie und Praxis – Begegnungen, Auswirkungen und Alltagsleben“

19.12.2025

Die Zeitschrift Notas de Antropología de las Américas (NAA), eine peer-reviewed Open-Access-Publikation (OA) der Abteilung Altamerikanistik und Ethnologie der Universität Bonn, lädt Autor:innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ein, unveröffentlichte Beiträge für ihre fünfte Ausgabe mit dem Titel „Ontologie und Praxis – Begegnungen, Auswirkungen und Alltagsleben” einzureichen.

Die Ausgabe widmet sich der Erforschung der Ontologie in ihrem alltäglichen Kontext, d.h. der Frage, wie das soziale Wesen seine eigenen Existenzbedingungen kulturell organisiert. Damit wendet sich der Band gegen die „ontologische Wende“, die in den letzten Jahren vor allem in Lateinamerika an Bedeutung gewonnen hat und aus kultureller Perspektive die reale Existenz so vieler Welten als primäre Ereignisse in der Welt rechtfertigt. Welten, die sich in der Art und Weise, wie sie in der Welt interagieren, für unvereinbar erklären, in denen Ontologie und Praxis als Grundlage menschlicher Existenz als hermetisch getrennt, unvereinbar, unkommunizierbar und damit als Ausdruck gegensätzlicher Welten angesehen werden.

Diese Ausgabe will nicht in erster Linie eine direkte Kritik an der Sichtweise der ontologischen Wende und ihrer starren Betrachtung von relativistischen Konzepten, die normativ als unvereinbare „Weltanschauungen“ gelten, üben, sondern dazu einladen, die eigenen Erfahrungen aus der Praxis zu nutzen, um die Bedingungen der Menschen zu thematisieren, die deren Ontologie und Praxis prägen. Aufgrund seiner soziokulturellen Organisation fördert dieser Prozess unterschiedliche Vorstellungen, d.h. Ontologien und Praktiken. Das Ergebnis menschlicher Interaktion in der Welt ist also die Schaffung ontologischer und praktischer Unterschiede, die auf Gemeinsamkeiten beruhen, aber nicht auf unvereinbaren oder gegensätzlichen Welten. Dies erscheint auch wichtig für das Verständnis neuer Phänomene, mit denen der Mensch im Kontext von Anthropozän und Digitalozän konfrontiert ist, etwa im Hinblick auf moderne Kommunikationsgeräte oder deren Autonomisierung durch selbstlernende Fähigkeiten wie künstliche Intelligenz.

In diesem Dossier sind unveröffentlichte Artikel willkommen, die ihr empirisches Material neu ausrichten, um eine oder mehrere der folgenden Schlüsselfragen zu beantworten:

  • Was verbindet und was trennt ontologische Perspektiven?
  • In welchen Situationen kommen ähnliche oder völlig unterschiedliche Sichtweisen der Dinge als das, was sie sind, zum Ausdruck und wie manifestiert sich dies im kulturellen Umgang mit ihnen?
  • Inwiefern sind ontologische Perspektiven sowohl in Bezug auf Materie als auch auf Sprache eine Frage, die über individuelle Vorstellungen hinausgeht, d.h. eine Erwartung von Kollektiven, die mit einem normativen Anspruch einhergeht, Dinge als etwas ganz Bestimmtes und nicht als etwas Anderes oder Relatives zu betrachten?
  • Wie manifestiert sich Differenz z.B. in der Moderne und in parallel existierenden möglichen Betrachtungsweisen?
  • Inwieweit haben indigene Völker und ihre Gruppen und Gesellschaften eine ontologische Perspektive auf die Dinge, die sowohl ihrer Tradition als auch ihrer Gegenwart dient, und wie verbinden oder trennen sie diese?
  • Inwiefern agiert der moderne nicht-indigene Mensch ontologisch rekursiv, wenn es darum geht, das Unbekannte, Neue, Ungewisse oder Fremde zu kontrollieren?

Neben dem Dossier enthält die Zeitschrift auch eine Rubrik für aktuelle thematische Rezensionen aller Art (Bücher/Artikel, Audios/Podcasts, Ausstellungen, Filme etc.) sowie eine für Übersetzungen, die ebenfalls willkommen sind.

Wir freuen uns über Manuskripte für Artikel, Rezensionen oder Übersetzungen per E-Mail an notasaa@uni-bonn.de bis zum 28. Februar 2026. Die Entscheidung über die Beiträge und die Benachrichtigung über die Annahme erfolgt im April.

Informationen zu den Richtlinien, dem Styleguide und früheren Ausgaben finden Sie hier.